Cannabis Pflanze regenerieren: Neues Leben nach der Ernte
Revegetation (kurz: Reveg) ist eine faszinierende Technik, bei der eine bereits geerntete Cannabis-Pflanze zurück in die vegetative Wachstumsphase versetzt wird. Statt die Pflanze nach der Ernte wegzuwerfen, gibst du ihr eine zweite Chance — und kannst von der gleichen Genetik erneut ernten. Hier erfährst du, wie das funktioniert.
Was ist Revegetation (Reveg)?
Bei der Revegetation wird eine Cannabis-Pflanze nach der Blüte und Ernte durch eine Änderung des Lichtzyklus zurück in die vegetative Phase gebracht:
- Lichtzyklus von 12/12 (Blüte) zurück auf 18/6 (Vegi)
- Pflanze stoppt die Blütenproduktion und beginnt erneut vegetativ zu wachsen
- Neue Blätter, neue Triebe, neues Wachstum — von der gleichen Wurzel
- Nach ausreichendem vegetativen Wachstum kann die Blüte erneut eingeleitet werden
Warum sollte man Cannabis regenerieren?
- Genetik bewahren: Du hast vergessen, Stecklinge zu nehmen — Reveg rettet die Genetik
- Herausragende Phänotypen: Besonders gute Pflanzen können erneut genutzt werden
- Kosten sparen: Keine neuen Samen nötig
- Stecklinge nehmen: Die revegete Pflanze kann als Mutterpflanze für Klone dienen
- Experimentieren: Wie verhält sich die gleiche Genetik beim zweiten Durchgang?
Schritt-für-Schritt Anleitung zur Revegetation
Schritt 1: Die richtige Ernte
Für eine erfolgreiche Reveg musst du bei der Ernte bestimmte Teile der Pflanze stehen lassen:
- Untere Zweige: Lass mindestens 3–4 kleine Zweige mit Blättern stehen
- Einige Buds: Lass ein paar kleine Popcorn-Buds an den unteren Zweigen
- Blätter: So viele gesunde Blätter wie möglich belassen
- Wurzeln: Nicht beschädigen — das Wurzelsystem ist die Basis für den Neustart
Schritt 2: Lichtzyklus umstellen
- Von 12/12 auf 18/6 oder 20/4 umstellen
- Einige Grower nutzen sogar 24/0 (Dauerlicht) für schnellere Reveg
- 18/6 ist der Standard und funktioniert zuverlässig
Schritt 3: Düngung anpassen
- Zurück auf stickstoffbetonte Düngung (vegetatives Nährstoffprofil)
- Sanft starten — 1/2 Dosierung, dann steigern
- Die Pflanze braucht Stickstoff für neues Blattwachstum
Schritt 4: Geduld haben
Die Revegetation ist ein langsamer Prozess. Die Pflanze muss ihren gesamten Hormonhaushalt umstellen:
- Woche 1–2: Scheinbar passiert nichts — die Pflanze passt sich intern an
- Woche 2–4: Erste seltsam geformte Blätter erscheinen (einfingerig, rund)
- Woche 4–6: Neues vegetatives Wachstum wird sichtbar
- Woche 6–8: Normale Blätter (5–7 Finger) entwickeln sich
- Ab Woche 8: Pflanze wächst wieder normal — bereit für Training oder Blüte
Wie sehen Reveg-Pflanzen aus?
Reveg-Pflanzen sehen anfangs ungewöhnlich aus:
- Einfingerige, runde Blätter (wie bei Sämlingen)
- Unregelmäßiges Wachstum
- Neues Wachstum direkt aus alten Blütenresten
- Twisted oder verdrehte Blätter
- Mit der Zeit normalisiert sich das Erscheinungsbild
Die zweite Blüte einleiten
Sobald die Pflanze ausreichend vegetatives Wachstum zeigt (normalerweise 4–8 Wochen nach Reveg-Start):
- Pflanze auf gewünschte Größe wachsen lassen
- Training anwenden (Topping, LST)
- Lichtzyklus auf 12/12 umstellen
- Normale Blütepflege wie beim ersten Durchgang
Was erwartet dich bei der zweiten Ernte?
- Etabliertes Wurzelsystem = oft schnelleres Wachstum
- Ertrag kann gleich, höher oder niedriger sein — abhängig von der Pflanzengesundheit
- Potenz und Terpen-Profil bleiben in der Regel gleich
- Pflanze kann buschiger wachsen mit mehr Verzweigungen
Reveg als Rettungsmission: Genetik bewahren
Der häufigste Grund für Reveg: Du hast einen außergewöhnlichen Phänotypen gefunden, aber keine Klone genommen:
- Ernte die oberen Blüten, lass die unteren stehen
- Stelle auf 18/6 um und warte geduldig
- Sobald neues Wachstum erscheint: Stecklinge nehmen
- Die Stecklinge tragen die gleiche Genetik wie die ursprüngliche Pflanze
- Stecklinge bewurzeln und als Mutterpflanze nutzen
Tipps für eine erfolgreiche Revegetation
- Gesunde Pflanze wählen: Nur gesunde, kräftige Pflanzen regenerieren erfolgreich
- Genug Blattmasse lassen: Mehr verbleibendes Grün = schnellere Reveg
- Nicht zu stark zurückschneiden: Mindestens 30 % der Pflanze stehen lassen
- Wurzeln nicht stören: Nicht umtopfen während der Reveg
- Geduld: Die ersten 2–3 Wochen passiert scheinbar nichts — das ist normal
- Licht erhöhen: Stärkeres Licht fördert schnellere Revegetation
Häufige Fehler bei der Revegetation
- Alles abernten: Ohne verbleibende Blätter und Zweige kann die Pflanze nicht regenerieren
- Zu wenig Geduld: Reveg dauert 4–8 Wochen — aufgeben nach 2 Wochen ist zu früh
- Falsche Düngung: Blütedünger weiterverwenden statt auf Vegi umzustellen
- Überwässerung: Nach der Ernte hat die Pflanze weniger Blattmasse und braucht weniger Wasser
- Lichtlecks: Auch bei Reveg muss der Lichtzyklus sauber sein
Reveg vs. Klonen: Was ist besser?
- Klonen (Stecklinge): Schneller, zuverlässiger, Standardmethode zur Genetik-Bewahrung
- Reveg: Plan B, wenn keine Stecklinge genommen wurden
- Empfehlung: Immer Stecklinge nehmen, bevor die Pflanze in die Blüte geht — Reveg nur als Notlösung
Outdoor-Reveg: Ist das möglich?
Ja, unter bestimmten Bedingungen:
- Pflanze nach der Herbsternte unter Kunstlicht (18/6) stellen
- Im Frühjahr wieder nach draußen pflanzen
- Funktioniert, ist aber aufwendiger als Indoor-Reveg
- Alternative: Stecklinge im Herbst nehmen und über Winter unter Licht halten
Fazit: Cannabis regenerieren als wertvolle Technik
Die Revegetation von Cannabis-Pflanzen ist eine nützliche Technik für jeden Grower, der eine besondere Genetik bewahren will. Sie erfordert Geduld und die richtige Pflege, belohnt dich aber mit einer zweiten Ernte von der gleichen Pflanze. Der beste Einsatzzweck: Einen herausragenden Phänotypen retten, den du sonst verloren hättest. Plane voraus, nimm Stecklinge — und wenn du es vergisst, rettet dich die Reveg.
Dieser Artikel wurde von AboutWeed erstellt.