Cannabis Pflanze regenerieren: Reveg Anleitung für Fortgeschrittene
Du hast gerade eine fantastische Cannabis-Pflanze geerntet und ärgerst dich, dass du keine Stecklinge genommen hast? Kein Problem — mit der Revegetation (Reveg) kannst du die gleiche Pflanze zurück in die vegetative Phase bringen und ihr ein zweites Leben geben. Diese Anleitung zeigt dir den kompletten Reveg-Prozess im Detail.
Revegetation erklärt: Die Wissenschaft dahinter
Cannabis-Pflanzen sind photoperiodisch — ihr Blühverhalten wird durch die Tageslänge gesteuert. Bei 12 Stunden Dunkelheit produziert die Pflanze das Hormon Florigen, das die Blüte auslöst. Verlängerst du die Lichtphase wieder auf 18 Stunden, stoppt die Florigen-Produktion und die Pflanze kehrt in den vegetativen Modus zurück.
- Hormonelle Umstellung: Die Pflanze braucht 2–4 Wochen, um intern umzuschalten
- Zelluläre Reprogrammierung: Blütenzellen werden durch vegetatives Gewebe ersetzt
- Wurzelsystem: Bleibt intakt und liefert die Grundlage für neues Wachstum
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reveg
- Gesunde Pflanze: Kranke oder stark gestresste Pflanzen regenerieren schlecht
- Verbleibendes Grün: Mindestens 20–30 % der Pflanze muss nach der Ernte stehen bleiben
- Intaktes Wurzelsystem: Die Wurzeln sind die Lebensversicherung
- Photoperiodische Sorte: Autoflower können nicht revegetiert werden
- Geduld: Der Prozess dauert 4–8 Wochen
Detaillierte Reveg-Anleitung
Phase 1: Die strategische Ernte
Ernte nur den oberen Teil der Pflanze und lass den unteren stehen:
- Obere 60–70 % der Pflanze normal ernten
- Untere 30–40 % stehen lassen — alle kleinen Zweige und Blätter
- Mindestens 4–6 kleine Zweige mit Blattwerk belassen
- Einige Popcorn-Buds können dran bleiben — sie helfen bei der Energieversorgung
- Nicht Lollipoppen — jeder verbleibende Trieb hilft
Phase 2: Lichtzyklus umstellen
- Sofort nach der Ernte von 12/12 auf 18/6 umstellen
- Manche Grower nutzen 20/4 oder 24/0 für schnellere Reveg
- 18/6 ist der Standardzyklus und funktioniert zuverlässig
- Lichtintensität kann anfangs reduziert werden (die Pflanze hat weniger Blattmasse)
Phase 3: Nährstoff-Management
- Von Blütedünger auf vegetativen Dünger umstellen (stickstoffbetont)
- Anfangs nur halbe Dosierung — die Pflanze kann mit weniger Blattmasse weniger aufnehmen
- EC-Wert niedrig halten (0,8–1,2 mS/cm)
- Stickstoff ist jetzt der wichtigste Nährstoff
- Nach 3–4 Wochen langsam auf volle Dosierung steigern
Phase 4: Bewässerung anpassen
- Weniger Blattmasse = weniger Wasserbedarf
- Vorsicht vor Überwässerung — die häufigste Ursache für Reveg-Misserfolg
- Wet-Dry-Cycle strikt einhalten
- Erst gießen, wenn die oberen 3–5 cm trocken sind
Phase 5: Wachstum beobachten
Der Reveg-Prozess verläuft in charakteristischen Stadien:
- Woche 1–2: Kaum sichtbare Veränderung — Pflanze stellt intern um
- Woche 2–3: Erste neue Blätter erscheinen — oft einfingerig und rundlich
- Woche 3–5: Wachstum beschleunigt sich, Blätter werden normal gezackt
- Woche 5–8: Pflanze wächst vegetativ, bildet neue Triebe und Zweige
- Ab Woche 8: Pflanze sieht wieder normal aus und kann trainiert oder geblüht werden
Stecklinge von Reveg-Pflanzen nehmen
Einer der Hauptgründe für Reveg: Stecklinge (Klone) nehmen:
- Warte, bis neues vegetatives Wachstum mindestens 10–15 cm lang ist
- Schneide Stecklinge von den neuen Trieben (nicht von altem, verholztem Gewebe)
- Standard-Klon-Technik: 45° Schnitt, untere Blätter entfernen, Clonex/Wurzelhormon, in Jiffy oder Steinwolle
- Reveg-Stecklinge bewurzeln oft etwas langsamer als normale Klone
- Sobald bewurzelt: Genetik ist gesichert
Die zweite Blüte: Was ist anders?
Wenn du die reveg-Pflanze erneut blühen lässt:
- Mehr Verzweigungen: Reveg-Pflanzen bilden oft mehr Seitentriebe
- Etabliertes Wurzelsystem: Kann zu schnellerem Wachstum führen
- Ertrag: Variabel — kann gleich, höher oder niedriger sein
- Qualität: In der Regel identisch zur ersten Ernte
- Blütezeit: Gleich wie beim ersten Durchgang
Mehrfache Revegetation: Ist das möglich?
Theoretisch ja, praktisch hat es Grenzen:
- Eine Pflanze kann mehrfach revegetiert werden
- Mit jeder Reveg wird der Stängel verholzter und das Wurzelsystem dichter
- Nach 2–3 Reveg-Zyklen nimmt die Vitalität oft ab
- Besser: Stecklinge nach der ersten Reveg nehmen und mit frischen Klonen weiterarbeiten
Probleme bei der Revegetation und Lösungen
Kein neues Wachstum nach 3 Wochen
- Lichtintensität erhöhen
- Stickstoff-Düngung sicherstellen
- Wurzeln prüfen — möglicherweise Wurzelfäule
- Temperatur auf 24–26 °C erhöhen
Seltsam geformte Blätter
- Völlig normal in den ersten 2–4 Wochen der Reveg
- Einfingerige und runde Blätter sind typisch
- Normalisiert sich mit zunehmendem vegetativen Wachstum
Pflanze stirbt ab
- Häufigste Ursache: Überwässerung bei reduzierter Blattmasse
- Zweithäufigste Ursache: Zu wenig Blattwerk belassen bei der Ernte
- Wurzelfäule prüfen — braune, schleimige Wurzeln = Problem
Zwitterbildung bei der zweiten Blüte
- Der Stress der Reveg kann Hermaphrodismus auslösen
- Pflanze während der zweiten Blüte genau beobachten
- Männliche Blütenanlagen (Bananen) sofort entfernen
- Stabile Genetik ist weniger anfällig
Reveg-Zeitplan auf einen Blick
- Tag 0: Ernte (obere 60–70 %), Lichtzyklus auf 18/6, Dünger umstellen
- Woche 1–2: Wenig gießen, beobachten, Geduld
- Woche 2–4: Erste neue Blätter, Düngung leicht steigern
- Woche 4–6: Deutliches vegetatives Wachstum
- Woche 6–8: Stecklinge nehmen möglich
- Ab Woche 8: Training, volle Düngung, bereit für erneute Blüte
Fazit: Reveg als wertvolle Technik für fortgeschrittene Grower
Die Revegetation der Cannabis-Pflanze ist keine Standardtechnik — aber eine extrem wertvolle. Sie rettet Genetik, ermöglicht eine zweite Ernte und gibt dir die Möglichkeit, Stecklinge von einer bereits bewährten Pflanze zu nehmen. Der Schlüssel liegt in der richtigen Ernte (genug stehen lassen), dem korrekten Lichtzyklus und viel Geduld. Für Autoflower ist Reveg nicht möglich — aber für photoperiodische Sorten ist sie ein mächtiges Werkzeug in deinem Grower-Arsenal.
Dieser Artikel wurde von AboutWeed erstellt.