Cannabis Supercropping Anleitung – Sanft brechen für mehr Ertrag
Supercropping ist eine der beliebtesten High Stress Training (HST) Methoden im Cannabis-Anbau. Durch das kontrollierte Knicken und Biegen von Trieben werden die Pflanzen dazu angeregt, kräftiger zu wachsen und mehr Blütenmasse zu produzieren. In dieser detaillierten Anleitung lernst du die Technik Schritt für Schritt und erfährst, wie du durch sanftes Brechen maximale Erträge erzielst.
Was ist Supercropping?
Beim Supercropping werden die inneren Fasern eines Triebs durch gezieltes Quetschen und Biegen gebrochen, ohne die äußere Haut (Epidermis) zu beschädigen. Der Trieb knickt an der behandelten Stelle ab und muss sich selbst reparieren. Diese kontrollierte Verletzung löst eine Stressreaktion aus, die zu verstärktem Wachstum und höheren Erträgen führt.
Supercropping vs. LST
- Supercropping (HST): Innere Fasern werden gebrochen – stärkere Stressreaktion, intensiverer Effekt
- LST (Low Stress Training): Triebe werden nur gebogen und fixiert – sanfter, keine Beschädigung
- Kombination: Beide Techniken lassen sich hervorragend kombinieren
Warum Supercropping funktioniert
Die Wirksamkeit von Supercropping basiert auf mehreren biologischen Mechanismen, die durch die kontrollierte Verletzung ausgelöst werden.
Biologische Reaktionen
- Knöchelbildung: An der Knickstelle bildet sich ein verdickter Knoten (Knuckle), der die Nährstofftransportkapazität erhöht
- Hormonumverteilung: Auxin wird von der Spitze abgeleitet, was Seitentriebe zum Wachstum anregt
- Verstärkte Abwehr: Die Stressreaktion führt zur vermehrten Produktion von sekundären Metaboliten, darunter Terpene und Cannabinoide
- Lichtdurchdringung: Der umgebogene Trieb ermöglicht bessere Lichtverteilung im Kronendach
Der optimale Zeitpunkt für Supercropping
Das richtige Timing entscheidet über Erfolg oder Misserfolg beim Supercropping. Wähle den Zeitpunkt sorgfältig.
Idealer Zeitraum
- Vegetationsphase: 3.–6. Woche nach der Keimung – die beste Phase für Supercropping
- Übergangsphase: Erste Woche nach dem Umschalten auf 12/12 (Stretch-Phase) – noch möglich
- Triebdicke: Triebe sollten noch grün und biegsam sein, aber bereits eine gewisse Festigkeit haben
Wann NICHT supercroppen
- Junge Sämlinge (unter 3 Wochen)
- Während der aktiven Blütephase (ab Woche 3 der Blüte)
- Verholzte, steife Triebe – diese brechen unkontrolliert
- Gestresste oder kranke Pflanzen
- Direkt nach dem Umtopfen
Supercropping Schritt-für-Schritt-Anleitung
Befolge diese Anleitung sorgfältig, um die besten Ergebnisse zu erzielen und Schäden an deinen Pflanzen zu vermeiden.
Vorbereitung
- Pflanze 30 Minuten vorher gießen – gut hydrierte Triebe sind flexibler
- Klebeband und Pflanzenbinder bereithalten
- Triebe identifizieren, die supercropped werden sollen – meist die höchsten
Durchführung in 5 Schritten
- Stelle wählen: Wähle eine Stelle am Trieb zwischen zwei Nodien (Blattknoten). Idealerweise im oberen Drittel des Triebs.
- Quetschen: Greife den Trieb mit Daumen und Zeigefinger an der gewählten Stelle. Drücke sanft und rolle den Trieb zwischen den Fingern. Du spürst, wie die inneren Fasern nachgeben – ein leises Knacken ist normal.
- Biegen: Biege den Trieb vorsichtig in die gewünschte Richtung (meist horizontal oder in 90°-Winkel). Der Trieb sollte an der gequetschten Stelle nachgeben.
- Fixieren: Binde den umgebogenen Trieb mit Pflanzenbindern oder Kabelbindern locker an einem Stützstab oder am Topfrand fest.
- Kontrolle: Überprüfe, dass die äußere Haut des Triebs intakt ist. Wenn sie gerissen ist, wickle sofort Klebeband um die Bruchstelle.
Was tun bei einem Riss?
Wenn die Außenhaut reißt, ist das kein Grund zur Panik. Wickle sofort Klebeband (Gewebeklebeband oder Pflanzenband) um die beschädigte Stelle. Die Pflanze wird die Wunde innerhalb von 5–7 Tagen verschließen. Das Klebeband kann nach 7–10 Tagen entfernt werden.
Die richtige Nachsorge
Nach dem Supercropping braucht deine Pflanze etwas Zeit, um sich zu erholen und die behandelten Stellen zu reparieren.
Erste 24–48 Stunden
- Pflanze genau beobachten – leichtes Welken ist normal
- Normale Bewässerung beibehalten
- Keine zusätzliche Düngung
- Lichtintensität um 10–20 % reduzieren
Tage 3–7
- Triebe richten sich auf – die Spitzen wachsen wieder nach oben (Phototropismus)
- An der Knickstelle bildet sich ein Knoten – das ist der gewünschte Knuckle
- Normale Pflege wieder aufnehmen
- Fixierungen überprüfen und bei Bedarf anpassen
Ab Woche 2
- Der Knuckle ist deutlich sichtbar und fest
- Seitentriebe wachsen verstärkt
- Die Pflanze hat ein gleichmäßigeres Kronendach
- Nächste Runde Supercropping kann bei Bedarf durchgeführt werden
Supercropping-Strategien für maximale Erträge
Kronendach nivellieren
Die häufigste Anwendung: Supercroppe die höchsten Triebe, damit alle Spitzen auf gleicher Höhe stehen. So erhält jede Cola gleichviel Licht, was die Gesamternte maximiert.
Seitentriebe fördern
Durch das Abknicken des Haupttriebs wird das apikale Dominanzmuster gebrochen. Die Pflanze verteilt ihre Wachstumshormone gleichmäßiger, was zu mehr und kräftigeren Seitentrieben führt.
ScrOG-Kombination
Supercropping und ScrOG (Screen of Green) sind eine perfekte Kombination. Supercroppe die Triebe, die durch das Netz wachsen, und leite sie horizontal unter dem Screen weiter. So füllst du das gesamte Netz gleichmäßig aus.
Mehrfach-Supercropping
Du kannst denselben Trieb mehrmals supercroppen – allerdings nie an der gleichen Stelle. Warte mindestens 7–10 Tage zwischen den Anwendungen und supercroppe jeweils oberhalb der vorherigen Knickstelle.
Häufige Fehler beim Supercropping
- Zu fest drücken: Die inneren Fasern sollen nachgeben, nicht zerquetscht werden – spüre den Widerstand und arbeite sanft
- Verholzte Triebe biegen: Ältere, verholzte Triebe brechen unkontrolliert – nur junge, flexible Triebe supercroppen
- Falscher Zeitpunkt: Supercropping in der späten Blüte schadet mehr als es nützt
- Alle Triebe gleichzeitig: Supercroppe maximal 30 % der Triebe pro Session, damit die Pflanze nicht überfordert wird
- Nicht fixieren: Ohne Fixierung richten sich die Triebe innerhalb von Stunden wieder auf
- Trockene Pflanze: Dehydrierte Triebe sind spröde und reißen leicht – immer vorher gießen
Supercropping bei verschiedenen Sorten
Indica-dominante Sorten
Indicas haben oft dickere, steifere Triebe. Hier ist etwas mehr Druck nötig, aber die Ergebnisse sind hervorragend – die kompakten Pflanzen profitieren besonders von der verbesserten Lichtverteilung.
Sativa-dominante Sorten
Sativas haben dünnere, flexiblere Triebe, die sich leichter supercroppen lassen. Besonders nützlich, um das extreme Höhenwachstum zu kontrollieren.
Autoflowering-Sorten
Supercropping ist bei Autoflowern möglich, aber riskanter. Das Zeitfenster ist begrenzt – nur in der frühen Vegetationsphase (Woche 2–3) anwenden und vorsichtig vorgehen.
Fazit: Supercropping als Ertragsbringer
Supercropping ist eine bewährte und effektive Technik, die bei richtiger Anwendung zu deutlich höheren Erträgen führen kann. Das sanfte Brechen der inneren Fasern löst eine Reihe biologischer Reaktionen aus, die deine Cannabispflanze kräftiger, buschiger und produktiver machen. Mit etwas Übung und der richtigen Technik wird Supercropping zu einem festen Bestandteil deines Grow-Arsenals.
Dieser Artikel wurde von AboutWeed erstellt.